Die Präsidentinnen

von Werner Schwab

"Ich wollte schreiben, was mir am fernsten ist, eine Art Volksstück", hat Werner Schwab einmal erklärt. Schwab studierte Bildende Kunst, Theater interessierte ihn eigentlich nicht. Und doch begann er, 1958 in Graz geboren und nur 36 Jahre später dort an den Folgen einer Alkoholvergiftung gestorben, mit Anfang Dreißig wie ein Besessener Stücke zu schreiben. Er wurde zum "enfant terrible" der frühen Neunziger, da er in provozierender Weise tabuisierte Themen aufgegriffen und auf die Bühne gebracht hat. Er schuf eine eigene Sprache und holte zwanghaft herauf, was der Mensch gerne verdrängt, wozu die analen und fäkalen Besessenheiten zählten. Das erregte Aufsehen. "Die Präsidentinnen", ein Fäkaliendrama, ist sein erstes und das meist gespielte Stück und gilt heute als Klassiker des österreichischen Gegenwartsdramas.

       

Die drei vom Leben ausgesonderten Frauen heißen Erna, Grete und Mariedl und sind die "Präsidentinnen". Sie sitzen in der Küche – der Papst erteilt im Fernsehen gerade den urbi-et-orbi-Segen – und halten Monologe. Sie erklären die Welt und fangen an zu phantasieren, was das Leben als Belohnung für sie bereit halten könnte: Die bigott-verklemmte Erna ist krankhaft sparsam. lhre keuschen Träume richtet sie auf den Metzgermeister Karl Wottila, der nicht nur so ähnlich heißt wie der Papst, sondern sogar eine Marienerscheinung hatte und seitdem keinen Alkohol mehr anrührt. Was man von Ernas Sohn Hermann nicht behaupten kann, der mit vierzig noch daheim lebt und von seinen Vertreterreisen Ansichtskarten schickt, auf denen er die Verweigerung jeglicher enkelstiftender Tätigkeiten bekannt gibt. Die immer noch lebenshungrige Grete ist das lustige Luder. Ihre Tochter, einst vom Vater sexuell missbraucht, ist nach Australien ausgewandert und lässt nichts mehr von sich hören. Mariedls größtes und wahrscheinlich einziges Talent besteht darin, dass sie alle verstopften Aborte auch ohne Gummihandschuhe reinigt. Sie ist einer penetranten Frömmelei verfallen. Alle drei haben die unterste soziale Stufe nie verlassen.

Mitwirkende

Erna                                       

Lu Hutzler

Grete                                      

Erika Pedde-Schiedt

Mariedl                                   

Uschi Barth

Regie, Bühnenbild                

Thorsten Kreilos

Regieassistenz, Soufflage  

Nataly Rautenberg

Lichttechnik                           

Wolfgang Döngi

Bühnenlicht                            

Wolfgang Döngi, Nicole Mosdzien

Bühnenbau                            

Wolfgang Döngi, Lothar Gärtner, Franz Kapinus, Walter Lederer, Eugen Leinberger

Kostüm                                                

Cosima Rautenberg

Programmheft                                  

Uschi Barth, Thorsten Kreilos

Kritik der Rhein-Neckar-Zeitung

Kritik der Ausgabe "Souffleur"