Reigen

von Arthur Schnitzler  

Zehn Dialoge mit Pause bearbeitet von Uschi Barth

   

Schnitzlers Reigen, der die Ablösung aufeinanderfolgender sexueller Bindungen und ihre Relativität zeigt, zählt zu den großen Skandalstücken des deutschen Theaters. Das Stück wurde verboten und nach einem Sensationsprozess wieder freigegeben. Erst mit dem 1.1.1982 hob Schnitzlers Sohn und Nachlassverwalter das Verbot auf, was zu einer wahren 'Reigen-Hausse' auf den Bühnen führte. Schnitzler selbst wies zu Recht den Vorwurf der Pornographie von sich: Nicht um den Geschlechtsakt an sich ging es ihm, sondern um das Davor und Danach, um das sowohl geschlechtsspezifische wie auch soziologisch bedingte Verhalten seiner Personen zu charakterisieren. (angelehnt an Bertelsmann Schauspielführer 1992)

   

 

Kritik der Rhein-Neckar-Zeitung vom 12. 11. 2002

Kritik der Heilbronner Stimme vom 11. 11. 2002

 
 
 

1. Der Soldat begegnet der Dirne. Sie ist willig, sogar zärtlich, drängt zum Liebesakt. Er vollzieht ihn schnell und rücksichtslos und macht sich davon. Als die Dirne wenigstens etwas Geld will, lacht er sie aus. Sie schimpft hinter ihm her.
2. Der Soldat zieht das Stubenmädchen Marie von dem allgemeinen Tanzgewühl weg. Gierig bedrängt er sie. Sie protestiert ein wenig, nur der Form halber, gibt sich ihm jedoch hin. Anschließend hat sie Sehnsucht nach ein wenig Zärtlichkeit, er jedoch hat das Interesse verloren, geht zum Tanz zurück und lässt sie stehen.
3. An einem heißen Sommernachmittag ruft der träge dahindösende junge Herr unter dem Vorwand, nach einem Glas Wasser zu verlangen, nach dem Stubenmädchen. Ihr hübsches Aussehen erregt ihn - er beginnt sie zu entkleiden. Nach dem Liebesakt begibt er sich jedoch eilig davon, um den ganzen Vorfall so schnell wie möglich zu vergessen und des Stubenmädchens Versuche, mit ihm wie mit einem Liebhaber statt wie mit einem Arbeitgeber zu sprechen, im Keim zu ersticken.
4. Der junge Herr wartet in seinem gemieteten Zimmer auf die verheiratete Frau, die ihm ein Rendezvous gibt. Es ist sein erstes Abenteuer dieser Art, und er ist entsprechend nervös. Sie ist in Eile, hat dem Gatten etwas vorgelogen. Obwohl sie sich nach allen Regeln der Konvention ziert, ist doch klar, dass sie nur zu bereitwillig ist. Als der Liebesakt beim ersten Mal aufgrund seiner Aufregung nicht klappt, sieht er sich ihrem Spott ausgesetzt und versucht sich vergeblich zu rechtfertigen. Nach dem zweiten Mal ist sie es dann, die schnell das Weite sucht - sie muss nach Hause zu ihrem Gatten. Und der junge Herr ist hochzufrieden, ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau zu haben.
5. Die junge Frau liegt mit ihrem Ehemann im Bett. Kein Zweifel, dass dieses freundlich konversierende Paar es im Moment eher platonisch miteinander meint. Aber verlogene Gespräche über Ehebruch, den natürlich nur die anderen begehen, heizen die Lust an, und es kommt zum Geschlechtsakt. Danach dreht man sich den Rücken zu und schläft.
6. Der Ehemann hat ein 'süßes Mädel', das er auf der Straße angesprochen hat, ins chambre separée mitgenommen. Sie gibt sich naiv, aber zweifellos ist sie in dieser Art Abenteuer recht erfahren und sträubt sich im gegebenen Augenblick nicht mehr. Der Ehemann, der dieses angenehme Verhältnis institutionalisieren möchte, gibt allerdings vor, in einer anderen Stadt zu leben und nur von Zeit zu Zeit nach Wien zu kommen, um möglichen Problemen vorzubauen.
7. Das süße Mädel folgt einem Dichter in sein Zimmer. Dabei lügt sie ihm dieselben Geschichten vor wie dem Ehemann zuvor. Aber der Dichter hört ihr kaum zu, denn er will ohnedies nur von sich selbst sprechen. In seiner grenzenlosen Eitelkeit kann er nicht begreifen, dass sie ihn nicht kennt und noch nie ein Theaterstück von ihm gesehen hat. Auch rund um den Geschlechtsakt hat er nur das Bedürfnis, ihr seine eingebildete Bedeutung klarzumachen, während das 'süße Mädel' gänzlich unbeeindruckt bleibt.
8. Der Dichter und die Schauspielerin sind aufs Land gefahren. Aber beinahe kommen sie gar nicht zum beabsichtigten Liebesakt, weil sie ihren Ärger über den Theateralltag aneinander auslassen und weil sie in einem kleinlichen Hickhack der gegenseitigen verletzenden Bemerkungen ihre Befriedigung finden.
9. Die Schauspielerin empfängt den Grafen in ihrem Boudoir. Es kostet die Diva, die Anbetung wie ein ihr zustehendes Recht verlangt, allerdings Mühe, den gelangweilten Lebemann, der seinen Besuch gern abbrechen und den drohenden Liebesakt verschieben will, doch noch ins Bett zu bekommen. Immerhin - es gelingt ihr.
10. Der Graf erwacht in einem schäbigen Zimmer.Neben ihm schläft die Dirne. Er erinnert sich gar nicht, wie er hierher gekommen ist, grübelt vergeblich. Die Dirne erwacht, erzählt ihm von letzter Nacht, bietet weitere Dienste an , aber der Graf lehnt ab. Sie lässt ihn gehen, sicher dass er wiederkommen wird. Dem Untergang der Welt steht nichts mehr im Wege.

 

Dirne

Luitgart Hutzler

Soldat

Walter Lederer

Stubenmädchen

Sandra Schmitt

junger Herr

Christoph Kaiser

verheiratete Frau

Anne Schulte-Holthaus

Ehemann

Franz Kapinus

süßes Mädel

Nicole Moszdien

Dichter

Lothar Gärtner

Schauspielerin

Erika Pedde-Schiedt

Graf

Peter Lauck

   

Licht

Karlheinz Tschakert

Ton

Monika Unger, Beate Streit

Souffleuse

Hanne Tschakert

Regie und Textbearbeitung

Uschi Barth